Erfahrungen in der Lehre und mit dem Nachteilsausgleichs

Erfahrungen in der Lehre und mit dem Nachteilsausgleichs

Bild - Weg im Wald

Im August 2013 begann ich meine erste Lehre zum Büroassistent in der Stiftung Battenberg, einem Ausbildungszentrum für Behinderte in Biel. Zu Beginn war ich sehr nervös. Ich wusste nicht, was so auf mich zukommen würde. Ich wurde aber sehr herzlich empfangen. In den ersten zwei Tagen machten die Neuen einen Rundgang durch das Zentrum und es gab kleine Workshops, wo wir uns alle besser kennenlernten. Wir machten Spiele und es wurde uns viel zu den Abläufen und Regeln erzählt.

Am Mittwoch bezogen wir dann unsere Arbeitsplätze. Es war ein Grossraumbüro. Die Chefin war nett. Wir erhielten unsere ersten Aufträge. Meiner war, eine Geburtstagsliste im Word zu erstellen. Ich erledigte diese Aufgabe und die Vorgesetzte war damit zufrieden.

Die Woche darauf besichtigten wir die Berufsschule BFB in Biel – eine reguläre Berufsschule. Ich war sehr aufgeregt. Ich wurde dort sehr gut empfangen. Wir waren eine kleine Klasse. Zu Beginn waren wir neun Schülerinnen und Schüler. Davon haben nur fünf die Lehre abgeschlossen. In dieser Schule besuchte ich die Fächer Deutsch, IKA (Information, Kommunikation und Administration) und W&G (Wirtschaft und Gesellschaft). Ich hatte sehr liebevolle Lehrpersonen. Für sie war es neu, einen stark sehbehinderten Schüler zu haben. Ich erhielt meine Schulbücher in elektronischer Form. Sie wurden von der Lehrmittelabteilung der Blindenschule Zollikofen vorbereitet. Die Lehrperson sendete mir die Prüfung jeweils per Mail im Wordformat. Die Lehrkraft im IKA beschrieb immer jeden Schritt genau in den Prüfungen. Für mich beschrieb sie die Farben für die Formatierungen in Worten – also zum Beispiel: Blau 25 Grad dunkel.

Als es um die Abschlussprüfung ging, beantragte ich den Nachteilsausgleich. Ich erhielt jeweils ein Drittel oder doppelt so viel Zeit an den Prüfungen. Ich war mit einer Lehrperson alleine in einem Raum. Die Prüfungen erhielt ich vor Beginn auf einen Stick im Wordformat. Somit konnte ich sie gut absolvieren. Ich schloss somit meine zweijährige Lehre erfolgreich ab.

Danach begann ich die verkürzte Lehre zum Kaufmann in der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern. Gleichzeitig besuchte ich an einem Wochentag die Wirtschafts- und Kaderschule Bern. Die Lehrer waren fast alle gut. Ich erhielt meine Unterlagen elektronisch. Es gab nur eine Lehrerin, die mit der Situation überfordert war. Sie wusste nicht, wie sie mich unterstützten sollte. Ich musste immer meine Schulkollegen bitten, die Unterlagen für mich einzuscannen, damit ich sie von meinem Screenreader vorlesen lassen konnte.

Ein Fehler war, dass ich direkt ins zweite Lehrjahr eingestiegen war. Ich hatte keinen Bezug zum Stoff, den die anderen im ersten Lehrjahr durchgenommen hatten. Ich empfehle jedem, die Lehre von Anfang an zu machen. Meine Berufsbildnerin war zu Beginn nett zu mir. Danach unterstützte sie mich zu wenig. Sie diskutierte nie mit mir die Lernziele und ich musste alles alleine machen. Ich schrieb schlechte Noten. Nach eineinhalb Jahren entschieden wir uns gemeinsam zu einem Abbruch. Ich konnte aber weiterhin bis zum Schluss meines Vertrags dort arbeiten. Heute hab ich einen guten Kontakt zu meiner ehemaligen Berufsbildnerin. Wir haben uns ausgesprochen.

Nach dieser Niederlage hatte ich ein kleines Tief. Kurz darauf beschloss ich aber, doch noch den Abschluss zum Kaufmann nachzuholen. Ich meldete mich beim privaten Bildungszentrum Feusi in Bern an. Dort besuchte ich alle Fächer, die man für das KV

benötigt. Ich hatte gute Schulkollegen und war gut integriert. Die meisten Lehrpersonen waren gut. Sie stellten mir die Präsentationen immer im Voraus zur Verfügung. Die restlichen Unterlagen und die Tests erhielt ich auch immer elektronisch. Nur eine Lehrerin gab mir die Unterlagen immer auf Papier. Das war sehr mühsam. Ich musste immer Kolleginnen und Kollegen um Hilfe bitten. Während der Prüfungen war ich mit einer Lehrperson alleine in einem Raum. So schloss ich den schulischen Teil erfolgreich ab.

Danach machte ich ein Jahr Praktikum bei der Übungsfirma Santis Training in Oensingen. Ich wurde dort sensationell von meinem Berufsbildner betreut. Wir sind heute noch gut befreundet. Ich arbeitete in der Debitorenbuchhaltung sowie im Verkauf, wo ich Bestellungen machte, Lieferscheine bearbeitete und weitere Tätigkeiten ausführte. Ich durfte auch bei kleinen Projekten mithelfen.

Nun kamen die praktischen Prüfungen. Ich musste noch die mündliche und die schriftliche betriebliche Prüfung absolvieren. Dort hatte ich wieder ein Drittel länger Zeit. Bei der mündlichen Prüfung war ich allein. Bei der schriftlichen Prüfung war ich mit 25 Personen im Raum. Ich fand das nicht so gut. Es gab immer unruhige Momente, als die einzelnen fertig waren. Aber ich habe trotzdem bestanden.

Das sind meine Erfahrungen zur Lehre und zum Nachteilsausgleich.


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